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Positionierung: Wie du in den Köpfen deiner Kunden einen festen Platz bekommst

Felix Lenhard 8 min Lesezeit
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Was passiert, wenn ein Kunde dein Problem hat -- aber nicht an dich denkt?

Stell dir vor: Jemand in Eisenstadt hat genau das Problem, das dein Startup löst. Er braucht genau dein Produkt. Er hat das Budget. Er ist kaufbereit. Aber in dem Moment, in dem er nach einer Lösung sucht, denkt er an drei andere Anbieter. Nicht an dich.

Das ist kein Marketing-Problem. Das ist kein Vertriebsproblem. Das ist ein Positionierungsproblem.

Positionierung ist der Platz, den dein Startup im Kopf deines Kunden einnimmt. Nicht auf deiner Website. Nicht in deinem Pitch Deck. Im Kopf. Und wenn dort kein Platz für dich reserviert ist, existierst du für diesen Kunden schlicht nicht -- egal wie gut dein Produkt ist.

Bei Startup Burgenland erleben wir das ständig: Gründer kommen zu uns und sagen "Mein Produkt ist besser als alles andere am Markt, aber niemand kauft." Die Antwort ist fast immer dieselbe: Das Produkt ist vielleicht wirklich besser. Aber es hat keinen klaren Platz in den Köpfen der Zielgruppe.

Was ist Positionierung -- und was nicht?

Positionierung ist die bewusste Entscheidung, wofür dein Startup steht. Es ist die Antwort auf die Frage: "Wenn ein Kunde an [deine Kategorie] denkt, woran denkt er dann bei dir?"

Positionierung ist nicht Branding

Branding ist, wie du aussiehst, klingst und dich anfühlst. Logo, Farben, Tonalität. Positionierung ist die strategische Entscheidung dahinter: Welchen Platz willst du einnehmen? Branding ist die Ausführung. Positionierung ist die Strategie.

Ein perfektes Branding mit falscher Positionierung ist wie ein wunderschönes Schild an der falschen Straße. Niemand, der es sehen soll, wird es sehen.

Positionierung ist nicht Differenzierung

Differenzierung sagt: "Wir sind anders." Positionierung sagt: "Wir sind anders, und deshalb denkt ihr bei [diesem Problem] zuerst an uns." Differenzierung ist eine Eigenschaft. Positionierung ist ein Ergebnis im Kopf des Kunden. Du kannst dich differenzieren, ohne positioniert zu sein. Aber du kannst nicht positioniert sein, ohne dich zu differenzieren.

Wie Positionierung funktioniert: Die drei Quellen

Es gibt grundsätzlich drei Wege, wie du eine einzigartige Position einnehmen kannst. Jeder hat seine eigene Logik.

Positionierung durch Spezialisierung

Du löst ein Problem für eine sehr spezifische Gruppe, besser als jeder andere. Nicht das breiteste Angebot, sondern das tiefste.

Ein Steuerberater in Graz, der sich auf Tech-Startups spezialisiert hat, ist positioniert. Er kennt die ESOP-Regelungen, weiß wie die FFG-Förderbescheide steuerlich zu behandeln sind und versteht, warum ein Startup andere Bedürfnisse hat als ein Handwerksbetrieb. Ein generalistischer Steuerberater hat davon keine Ahnung -- und der Startup-Gründer spürt den Unterschied sofort.

Die Spezialisierung funktioniert, weil Menschen Experten vertrauen. Und Experte wirst du nicht durch Behauptung, sondern durch Fokus. Wer sich auf eine Nische konzentriert, sammelt dort schneller Erfahrung, bessere Referenzen und tieferes Wissen als jeder Generalist.

Positionierung durch Zugang

Du machst etwas verfügbar, das bisher schwer erreichbar war. Nicht ein neues Produkt, sondern ein neuer Zugangsweg.

Denk an Telemedizin im ländlichen Raum. Die medizinische Kompetenz war schon da -- in Wien, in Graz. Aber im Südburgenland oder im Waldviertel war der Zugang schwierig. Ein Startup, das diese Brücke baut, positioniert sich nicht durch bessere Medizin, sondern durch besseren Zugang zur bestehenden Medizin.

In Österreich gibt es enormes Potenzial für Zugangs-Positionierung: Die Kluft zwischen urbaner Verfügbarkeit und ländlicher Unterversorgung ist in vielen Bereichen groß -- von Fachberatung über Gesundheit bis zu digitalen Services.

Positionierung durch Bedürfnisanpassung

Du bedienst ein spezifisches Bedürfnis innerhalb einer breiten Kategorie, das andere übersehen.

Ein Beispiel aus unserem Coaching: Ein Startup wollte Projektmanagement-Software bauen. Der Markt ist überfüllt -- Trello, Asana, Monday, Jira. Aber als das Team sich die Bedürfnisse von Bau-KMUs im ländlichen Raum anschaute, entdeckte es: Diese Firmen brauchen kein Silicon-Valley-Projektmanagement. Sie brauchen etwas, das auf der Baustelle mit schlechtem Mobilfunkempfang funktioniert, das der Polier ohne IT-Kenntnisse bedienen kann und das die AUVA-Dokumentation automatisch erstellt. Das ist keine neue Technologie. Es ist eine neue Bedürfnisanpassung.

Warum Trade-offs der Kern jeder Positionierung sind

Hier kommt der Teil, der Gründern am schwersten fällt: Eine gute Positionierung erfordert, dass du auf etwas verzichtest. Wer alles sein will, wird nichts.

Wenn du dich als "die schnellste Lösung" positionierst, musst du akzeptieren, dass du vielleicht nicht die gründlichste bist. Wenn du dich als "die persönlichste Beratung" positionierst, musst du akzeptieren, dass du nicht die billigste sein kannst. Wenn du dich als "die lokale Lösung" positionierst, verzichtest du auf den globalen Markt.

Diese Trade-offs fühlen sich wie Verlust an. Aber sie sind das Gegenteil: Sie sind Gewinn. Denn erst durch den Verzicht auf das eine gewinnst du die Klarheit, die dich beim anderen unschlagbar macht.

Ich erinnere mich an ein Startup in unserem Programm, das Analyse-Software für den Lebensmittelhandel entwickelte. Ursprünglich wollten sie alle Handelssegmente bedienen -- Lebensmittel, Mode, Elektronik, alles. Im Coaching haben wir gemeinsam den Trade-off gemacht: Nur Lebensmittel. Nur Österreich. Nur Filialisten mit mindestens zehn Standorten. Das Team hatte anfangs Angst, sich den Markt zu verkleinern. Sechs Monate später hatten sie drei zahlende Kunden in genau dieser Nische -- und null in allen anderen Segmenten, die sie vorher "auch bedienen wollten".

Wie entsteht eine neue Kategorie?

Manche Startups positionieren sich nicht innerhalb einer bestehenden Kategorie, sondern schaffen eine neue. Das ist die stärkste Form der Positionierung -- aber auch die riskanteste.

Wann Kategorie-Kreation Sinn macht

Wenn dein Produkt so neuartig ist, dass es in keine bestehende Schublade passt, zwingst du den Kunden, eine neue Schublade zu erstellen. Das kann enorm wirksam sein: Wer eine Kategorie definiert, ist automatisch die Nummer eins darin.

Aber es hat einen Preis: Du musst nicht nur dein Produkt verkaufen, sondern auch die Kategorie selbst erklären. Das kostet Zeit und Geld.

Wann du besser innerhalb einer Kategorie positionierst

Wenn es bereits eine klare Kategorie gibt, in der dein Produkt einen Platz finden kann, ist es fast immer effizienter, dich dort zu positionieren -- aber anders als alle anderen. Der Aufwand für die Markterziehung entfällt, und der Kunde versteht sofort, was du tust.

In den meisten Fällen, die wir bei Startup Burgenland sehen, ist die Positionierung innerhalb einer bestehenden Kategorie der klügere Weg. Nicht weil Kategorie-Kreation schlecht wäre -- sondern weil die meisten Gründer unterschätzen, wie viel Aufwand es kostet, eine neue Kategorie zu etablieren.

Die Gefahr der Repositionierung

Wenn deine aktuelle Positionierung nicht funktioniert, liegt die Versuchung nahe, dich komplett neu zu positionieren. Das kann richtig sein -- aber es ist risikoreicher, als die meisten denken.

Repositionierung bedeutet: Du gibst den Platz auf, den du im Kopf deiner bestehenden Kunden hast, und versuchst, einen neuen zu erobern. Das ist, als würdest du ein gemietetes Büro aufgeben, bevor du ein neues hast. Du stehst dazwischen auf der Straße.

Bevor du repositionierst, prüfe: Liegt das Problem wirklich an deiner Positionierung? Oder an deiner Kommunikation? Oft sind Startups gut positioniert, kommunizieren aber ihre Positionierung nicht klar genug. Das ist ein völlig anderes Problem mit einer viel einfacheren Lösung.

Positionierung im DACH-Markt: Was kleine Märkte besonders machen

Der Vorteil der Nähe

Im österreichischen Markt bist du als Startup näher an deinen Kunden als in den USA oder in einem anderen großen Markt. Du kannst jeden relevanten Entscheider in deiner Nische innerhalb von sechs Monaten persönlich treffen. In Wien, Graz, Linz, Innsbruck, im Burgenland -- die Wege sind kurz, die Netzwerke sind eng.

Das macht Positionierung durch persönliche Beziehung möglich, die in größeren Märkten nicht funktionieren würde. Nutze das. Ein Startup im Burgenland, das drei Monate lang jeden relevanten Landwirt in der Region persönlich besucht, hat danach eine Positionierung, die kein Konkurrent aus dem Ausland kopieren kann.

Der Zwang zur Schärfe

Im DACH-Raum ist der Markt groß genug für ein profitables Geschäft, aber klein genug, dass du es dir nicht leisten kannst, generisch zu sein. Wer im DACH-Markt "Software für KMU" anbietet, konkurriert gegen hunderte Anbieter. Wer "Automatisierung für Frächter in der Ostregion" anbietet, ist allein.

Die meisten erfolgreichen österreichischen Startups, die wir kennen, sind in ihrem Heimatmarkt extrem spezifisch positioniert -- und expandieren erst international, nachdem sie die lokale Nische dominiert haben.

Die häufigsten Positionierungsfehler

Fehler 1: In der Mitte positionieren. "Wir sind gut in allem" heißt: Wir sind die beste Wahl für niemanden. Die Mitte des Marktes ist der gefährlichste Ort, weil dort alle kämpfen.

Fehler 2: Positionierung durch den Preis. "Wir sind die billigsten" ist nur dann eine gute Positionierung, wenn du strukturelle Kostenvorteile hast, die kein Mitbewerber kopieren kann. Für 95% der Startups ist das nicht der Fall. Und ein Preiskampf ist der schnellste Weg in die Insolvenz.

Fehler 3: Positionierung kopieren. "Wir sind das Uber für X" ist keine eigene Positionierung. Es ist die Definition des Vergleichbaren. Und vergleichbar sein bedeutet: austauschbar sein.

Fehler 4: Positionierung nicht festlegen. "Wir wissen noch nicht genau, wer unsere Zielgruppe ist." Dann weißt du auch nicht, wie du positioniert bist. Und wenn du es nicht weißt, weiß es dein Kunde erst recht nicht.

Was du jetzt tun kannst

Beantworte diese Frage in einem Satz: "Wenn ein potenzieller Kunde an [deine Kategorie] denkt, woran soll er bei dir denken?"

Dann teste diesen Satz:

  1. Ist er spezifisch genug, dass nur du ihn sagen kannst?
  2. Erfordert er einen Trade-off, auf den du bewusst eingehst?
  3. Kann ein Kunde sofort verstehen, warum er zu dir kommen soll?

Wenn alle drei Antworten Ja sind, hast du eine Positionierung. Wenn nicht, schärfe weiter.

Für die Grundlagen des USP lies Dein Unique Selling Proposition in einem Satz. Und wenn du verstehen willst, wie du aus deiner Positionierung ein unwiderstehliches Angebot machst, lies weiter: Die Grand-Slam-Methode: Angebote, die deine Zielgruppe nicht ablehnen kann.

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Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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